1.2. Körpersprache
Dieses Kapitel hat folgende Abschnitte:
1.2.1. Gestik
1.2.2. Mimik
1.2.3. Haltung
1.2.4. Berührung
1.2.5. Position im Raum
1.2.6. Stimme als Körpersprache
Körpersprache ist alles, was wir gleichzeitig zum Reden, vor oder nach einer Äußerung
mit unserem Körper aussagen: nonverbale Kommunikation. Ebenso wie wir nicht nicht kommunizieren können
(denn auch Schweigen ist ein Teil der Kommunikation), können wir nicht keine Körpersprache zeigen.
Körpersprache trägt zur Verständigung wesentlich bei. Das zeigt sich z. B. daran, daß das
Telefonieren in einer Fremdsprache ziemlich schwierig sein kann. Das Verständnis des Gesprächspartners
können wir hier nur akustisch beeinflussen, nicht mit Gesten oder Blickkontakt.
Bei Gesprächen, wo sich die Gesprächsteilnehmer sehen können, wird dieses Verständnis oder
Unverständnis überwiegend nonverbal, also nicht mit Worten, ausgedrückt. Das läuft meistens
unbewußt ab. Nur wenn eine Störung oder etwas Ungewöhnliches auftritt, rückt die Körpersprache
ins Bewußtsein.
Körpersprache und sozialer Status zeigen einen gewissen Zusammenhang. Personen mit hohem sozialen Status neigen dazu,
weniger Mimik zu zeigen, weniger und auch leiser zu lachen, gemessene Bewegungen mit Händen und Füßen zu
machen und mehr Platz einzunehmen als Personen mit niedrigerem sozialen Status. Bei Menschen, die in einer Situation
einen niedrigen sozialen Status innehaben, ist oft eine starke Gestik und Mimik, z. B. ausgeprägtes Kopfnicken zu
beobachten, viele Knicke in der Körperhaltung (Unsicherheit?) und wenig beanspruchter Platz.
Interpretationen von Körpersprache sind nur aus einem gesamten Zusammenhang einer Kommunikation sinnvoll.
Einzelne Gesten oder Haltungen zu deuten, wie z. B. verschränkte Arme, ist in der Regel nicht sinnvoll.
Jeder Mensch zeigt eine für ihn typische Körpersprache (in verschiedenen Situationen). Manche Menschen
können über Blickkontakt wunderbar Kontakt herstellen in Gesprächen; andere sehen vielleicht ungern
in die Augen ihres Gegenübers, haben aber eine fein ausgeprägte Gestik, die viel zur Verständigung
beiträgt. Hilfreich ist es noch am ehesten, die Verspannung oder Anspannung bei einem Gesprächspartner
wahrzunehmen, denn hier kann durch die Kommunikation mit Worten möglicherweise Spannung abgebaut werden.
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1.2.1. Gestik
- Handhaltungen und Handbewegungen: Je weniger Knicke, desto kraftvoller und (auch symbolisch) gerader.
- Fußstellung und Fußbewegungen: Füße gehen oft Redebeiträgen voraus. F
üße flach mit der Sohle auf den Boden stellen. Um den Stuhl gewickelte Füße oder
stark abgeknickte Fußspitzen fühlen sich nicht nur unsicher an, sie wirken auch so.
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1.2.2. Mimik
- Blickkontakt und Blickführung: In einer Runde von Zuhörer/innen immer dann den Blickkontakt zur nächsten
Person aufnehmen, wenn Sie im Satz eine natürliche Pause machen. Wirklich die Person ansprechen, die Sie gerade anschauen.
Beispiel: Mit jeder Zeile beginnt ein neuer Blickkontakt.
Guten Abend,
meine Damen und Herren,
ich freue mich sehr,
daß Sie so zahlreich
zu unserer kurzfristig angekündigten
Eigentümerversammlung
gekommen sind.
Wir haben heute
eine Reihe dringender Themen
auf dem Programm ...
|
- Lachen: Verlegenheitslächeln lieber durch große Augen und verbindlichen Ton ersetzen. Lachen Sie nur da,
wo Sie wirklich von Herzen lachen oder lächeln möchten.
- Gesicht verziehen, Stirn runzeln: Entweder gezielt einsetzen oder bleibenlassen, d. h. durch bewußtes Atmen
ersetzen. Kleine Kinder und Mamis kleiner Kinder machen viel Mimik. Werden Sie da ernst genommen?
- Kopfhaltung: schräger Kopf heißt: "nicht ganz dicht!" Halten Sie Ihren Kopf gerade, unterstreichen Sie
Wichtiges durch Nicken. Das automatische Kopfschütteln auch durch Nicken an der richtigen Stelle ersetzen.
Sonst sehen Sie aus wie Sue Ellen in Dallas: "Aber ich liebe ihn doch!"
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1.2.3. Haltung
- Zugewandt sind Sie, wenn Sie interessiert zuhören oder gleich Aufmerksamkeit bekommen wollen. Abgewandt
(mehr oder weniger) sind Sie, wenn Sie das Thema wechseln, das Gespräch (unsanft) beenden oder Ihr Gegenüber
verunsichern wollen.
- Gerade halten! Trick: Stellen Sie sich vor, Sie hätten Hosenträger an, in Y-Form, also hinten mit nur
einem Straps. Stellen Sie sich vor, Sie ziehen an diesem Straps. Dann geht der Kopf ein bicßchen hoch. Gerade
halten darf nicht wehtun, dann sieht es nicht gut aus.
- Bauch rein, Brust raus: bleibenlassen, insbesondere als Mann, das wirkt künstlich aufgeblasen. So kann kein
Mensch vernünftig atmen, und Sie wirken nur angespannt. Brust raus gilt nur für die Frauen, die meinen,
sich verstecken zu müssen, und die schlimmstenfalls ihre Schultern nach vorne hängen lassen.
- Locker, entspannt, natürlich: Was sich gut anfühlt, ist allemal besser als eine produzierte Haltung.
Bester Test ist immer, ob Sie gut atmen können (sagen Sie mal überrascht: Jaaa!), ob der Boden Sie gut
trägt und ob Sie gegen Umschubsen stabil sind.
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1.2.4. Berührung
- Rituelle Berührungen sind z. B. Händeschütteln und aus dem Mantel helfen. Körpersprache ist mit
Körpersprache am besten zu beantworten. Händeschüttler loswerden: Hand während des Schüttelns
plötzlich schlapp werden lassen, dann kurzer Abschlußdruck, danach mit leicher Verbeugung rausziehen. Auf
den Abschlußdruck kommt´s an.
- "Helfen": rituelle Machtgeste, die meisten Menschen schleifen ihren Mantel trotzdem beim Einsteigen ins
Auto über die schmutzige Türschwelle. Wenn Sie tatsächlich jemandem Hilfe anbieten wollen, z. B. dem
alten Herrn die Treppe rauf, dann fragen Sie vorher konkret: Möchten Sie sich bei mir einhängen?
- Schieben, dagegenhalten, dicht dabeistehen: Berührung ist Macht! Distanz erzeugen geht über Konfrontation,
d. h. Sie drehen demjenigen Ihre Front zu, Blickkontakt, ernstes Gesicht. Nach der Seite rauswinden hilft nie, es gibt
Leute, die stehen immer wieder neben Ihnen, weil sie da dichter rankommen.
- Belästigungen: beginnen in der Körpersprache mit Blicken und rituellen Berührungen, gegen die Sie
sich als anständiger Mensch erstmal nicht wehren. Entscheiden Sie: verbale Konfrontation bei Dauertätern oder
eigene Machtgesten ausbilden, z. B. lauter sprechen als nötig.
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1.2.5. Position im Raum
- Sitzordnung; stehend oder sitzend, am Platz, im Gehen
- Platz und Sitzposition ausnützen, nicht zufällig irgendwo sitzen.
Merke:
Tür im Rücken - mußt Dich bücken!
Fenster im Gesicht - blendet das Licht.
Weggegangen - Platz vergangen!
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.
Früh kommen, Platz sicher markieren (Brille, Etui, loser Papierstapel, Kaffeetasse,
Schlüsselbund,
Kleidung überm Stuhl, der Schal auf der Mappe ...)
Gegner und Freunde lieber gegenüber als daneben sitzen lassen.
Zugang zu Medien sicherstellen.
Chefstuhl besetzen schafft Macht, aber auch mal Ärger.
Unerwartete Änderungen einer vertrauten Sitzordnung schaffen.
Verunsicherung oder Überraschung und auch verschiedenste Reaktionen.
Abwägen, wofür sich das Risiko lohnt!
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1.2.6. Stimme als Körpersprache
- Stimmlage: hoch, tief. Frauen, die "tief sprechen" (nicht zu tief!) kommen seriöser rüber als das
näselnde Quietscheentchen. Übrigens kann eine Logopädin Ihnen beibringen, wie Sie Ihre Stimme kraftvoll und
doch körperschonend einsetzen. Kriegen Sie oft Halsweh bei langem Sprechen?
- Modulation und Melodie: bewegt, singend, gleichförmig, beruhigend, ... als Frau haben Sie die Chance, mit viel
Hoch und Tief Aufmerksamkeit zu erwecken.
- Tempo: schnell oder langsam. Im Zweifel bitte langsam. Viel mehr Leute sprechen in der Aufregung zu schnell als zu langsam.
Langsam sprechen geht schwer; lieber Pausen machen. Läßt sich gut mit dem Blickkontakt verbinden (s. o., Blick
weiterreichen).
- Rhythmus: abgehackt, gleichmäßig, variabel, mit Atemholen - auch hier macht der Blickkontakt viel aus. Wenn
Sie in tune mit Ihrem Publikum sein wollen, sich also auf die Zuhörer/innen einschwingen wollen, dann brauchen
Sie dazu Kontakt, und der beginnt eher im Herzen.
Frauen und Männer haben meist unterschiedliche Stimmen. Interessanterweise unterscheiden wir die Stimme aber nicht nach
der Stimmlage, sondern nach Modulation und Rhythmus! Besonders gut zu hören (für Deutsche) ist das z. B. bei
Engländern, wo eine starke Modulation und auch sehr hohe Töne für eine Männerstimme zur ganz
normalen Aussprache gehören; oder bei Amerikanerinnen, die mit sehr tiefer, getragener Stimme sprechen können,
wie es für deutsche Frauenstimmen eher untypisch wäre. Die Melodieführung ist also abhängig von der
Sprache.
Nicht nur die mit der Stimme geäußerte Körpersprache ist stark kulturabhängig - auch andere
körpersprachliche Signale sind geprägt von der Kultur, in der die Menschen leben. Ebenso wie es in der
gesprochenen Sprache Dialekte und Jargons gibt, sind auch in der Körpersprache Besonderheiten zu finden, die
von der jeweiligen Benutzergruppe abhängen. Ein deutliches Beispiel dafür ist das O.K.- Zeichen aus der
Tauchersprache: Daumen und Zeigefinger bilden einen Ring, die anderen Finger sind weggestreckt. In Bayern ist dieselbe
Geste eine obszöne Beleidigung!
Wenn Sie als Referent/in, Ausbildungsbeauftragte/r oder Betreuuer/in arbeiten, haben Ihre Berührungen einen ganz
besonderen Charakter, denn Sie befinden sich in einer Machtposition gegenüber Ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern,
gegenüber den Auszubildenden oder den Zuhörer/innen. Wenn Sie z. B. jemandem die Hand auf die Schulter legen,
kann das tröstlich, unterstützend, aufmunternd o. ä. verstanden werden. Machen Sie sich aber bewußt,
daß diese auch noch so gut gemeinte Berührung etwas mit Macht zu tun hat: Ihre Auszubildenden würden Ihnen
vermutlich nicht die Hand auf die Schulter legen! Testen können Sie die Frage nach der Macht, die in Berührungen
liegt, ganz einfach: Überlegen Sie, wie es wirken würde, wenn Sie in der Rolle der oder des Anderen, des
"Mächtigen"
wären.
Wenn Sie das ganz normal finden, schön! Wenn nicht, dann könnte die Berührung etwas mit Ihrer Macht zu tun gehabt
haben. Gestehen Sie den anderen die Unverletzlichkeit ihrer privaten Aura zu, und benützen Sie Berührungen in Ihrer
Körpersprache am besten nur dann, wenn Sie sicher sind, daß sich beide Seiten damit wohlfühlen.
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Vera Naumann Kommunikation & Organisation. Bitte geben Sie die Quelle an, wenn Sie die
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