2. 3. Zusammenfassungen mit Stichworten
Dieses Kapitel hat folgende Abschnitte:
2.3.1. Stichworte für einen Diskussionsbeitrag
2.3.2. Stichworte für Eröffnung und Zusammenfassung
2.3.3. Stichworte für Präsentationen
2.3.4. Arbeiten mit Volltextmanuskript
Stichworte für einen Redebeitrag oder eine Präsentation müssen mehrere Anforderungen
erfüllen:
- Sie brauchen die Stichworte, nach denen Sie suchen würden, wenn Sie sie nicht hätten, und nicht die Wörter,
die Ihnen sowieso einfallen. Wenn Sie öfters nach Verben suchen oder einen Satz nicht beenden können, braucht Ihre
Stichwortquelle vor allem Verben; wenn Ihnen Adjektive fehlen, schreiben Sie diese auf; wenn Sie schwer Satzanfänge finden,
notieren Sie wörtlich den Anfang.
- Einerseits soll der rote Faden erkennbar sein, andererseits muß Ihre Stichwortsammlung flexibel genug sein, um bei
Programmänderungen immer noch zu funktionieren.
- Ob Karten, Papier oder Flipchart: Sie müssen den Text problemlos entziffern und lesen können (sauber genug, Schriftgröße groß genug, übersichtlich gegliedert).
- Chaos entsteht in der Eile schnell - deswegen wirken eine Agenda oder Gliederung oder eine Numerierung der Stichwortquellen Wunder.
- Papier und Karten immer nur einseitig beschriften.
Bei allen Stichwortquellen geht es nicht darum, daß Sie vorlesen, was Sie vor sich haben,
sondern daß Sie wie auf einem Notenblatt beim Chor die Worte finden, denen Sie dann selbst den Ton geben. Vorlesungen
sind im akademischen Bereich üblich, aber in der freien Wirtschaft eher nicht - in Präsentationen sprechen Sie
mit Menschen mehr als zu Menschen, es sei denn, Sie halten eine Rede, und selbst dann werden Sie nicht
vorlesen.
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2.3.1. Stichworte für einen Diskussionsbeitrag
Schon für einen einzigen Redebeitrag innerhalb einer Diskussion kann ein Stichwortzettel hilfreich sein.
Im Eifer des Gefechts und bei Widerspruch Ihrer Zuhörer tut es gut, wenn Sie während des Redens mit einem kurzen Blick
in Ihre Notizen erfassen können, ob sie auf alles Bezug genommen haben, was Ihnen schon eingefallen ist, während Ihr
Vorredner noch das Wort hatte. Außerdem können Sie besser zuhören, wenn Sie sich nicht schon dauerd merken
müssen, was Sie nachher sagen wollen.
Beispiel:
Form: Karte (wenn Sie im Stehen sprechen) oder DIN A 4-Blatt (wenn dieses aufgelegt werden kann oder
wenn Sie im Sitzen reden)
Inhalt:
Sie als Systemadministrator
wenig Mühe
Formulardurchlauf erkennen
Anwender/innen
Geschäftsprozesse wiederzuerkennen
Wörtlich: "Sie als Systemadministrator haben wenig Mühe, den Formulardurchlauf zu erkennen; aber meine
Anwender/innen haben große Schwierigkeiten, die existierenden Geschäftsprozesse wiederzuerkennen."
|
Übrigens wirken Diskussionsbeiträge, bei denen Sie Notizen verwenden, möglicherweise sachlicher
und kompetenter, als wenn Sie quasi "aus dem Bauch heraus" antworten und evtl. entsprechend emotionale Reaktionen
erzeugen.
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2.3.2. Stichworte für Eröffnung und Zusammenfassung
Wenn Sie über Ihr Fach oder über Ihre Erfahrungen sprechen, also über den Kern Ihrer
Präsentation, werden Sie weniger auf einen Stichwortzettel angewiesen sein als bei Moderationsbeiträgen wie
einer Eröffnung oder einer Zusammenfassung. Denken Sie an Fernsehmoderator/innen - die sind auch gut vorbereitet
und kennen ihr Geschäft aus jahrelanger Erfahrung, und trotzdem würden sie nicht ohne Stichwortzettel arbeiten,
wenn ein neuer Kandidat die Bühne betritt!
Insbesondere Eröffnungen und Zusammenfassungen gelingen sehr viel besser, wenn sie gut vorbereitet sind. Schreiben Sie
den Anfang ruhig wörtlich auf, und schreiben Sie ihn gegliedert wie ein Gebet - dann ist er viel besser zu betonen.
Beispiel:
Form:
Karten, da Sie vermutlich im Stehen sprechen, und in dezenter Farbe
Inhalt:
Lieber Herr Oberherr,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
herzlich willkommen
zu unserer Jahreshauptversammlung.
drei Hauptthemen beschäftigen:
1. (etc.)
Wörtlich: Erster Satz ebenso.
"Wir werden uns heute mit drei Hauptthemen beschäftigen: 1., 2., 3., ..." |
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2.3.3. Stichworte für Präsentationen
Arbeiten Sie nicht mit mehreren Quellen gleichzeitig - das habe ich noch nie funk- tionieren sehen.
Mißbrauchen Sie andererseits auch nicht Ihre Medien - die ja für die Teilnehmer/innen eine Verdeutlichung
sein sollen - als volles Manuskript.
Die Mitte macht´s: Eine Folie oder eine Flipchart, die selbsterklärend ist, aber trotzdem übersichtlich,
wird Sie selbst an das erinnern, was über den dargestellten Text hinaus dazu zu sagen ist.
Jeder weitere Notizzettel dazu geht während der Präsentation unter. Auf den weißen Rand der
Foliehülle Notizen machen hilft nur, wenn Sie sie auch lesen können. Das scheitert entweder an der
Helligkeit der Folie - die Augen gewöhnen sich kaum an den dunkler erscheinenden Rand - oder an Ihrem Stehplatz,
denn wenn Sie so nah an der Folie sind, daß Sie die Randinschrift lesen können, dann haben Sie garantiert
nicht den geeigneten Platz für guten Kontakt zu Ihren Teilnehmer/innen.
Für Flipcharts und Pinnwände gibt es einen verblüffend einfachen Trick: Schreiben Sie dünn mit
Bleistift vor, was wo angepinnt oder hingeschrieben werden soll. Beim Anpinnen oder Schreiben sind Sie zwangsläufing
nah an der Tafel, und bis zu den Teilnehmer/innen sind die Markierungen nicht zu sehen.
Beispiel:
Form: "Menüzettel": Alle Medien mit Überschrift der Reihe nach gegliedert. Diesen Zettel kleben Sie am besten auf dem Tisch fest.
1) Flipchart: Überblick über Ihre gesamte Präsentation
2) Folie: Zahlen vorher
3) Folie: Zahlen heute
4) Flipchart: Vermutungen und Informationen der TN, wie diese Zahlen zustande kamen
5) Pinnwand: Maßnahmen für nächstes Jahr
etc.
Inhalt: je nach Thema!
Wörtlich: Flipcharts, Folien und Pinnwandkarten wörtlich vorlesen; alles andere frei gesprochen. |
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2.3.4. Arbeiten mit Volltextmanuskript
In Präsentationen unüblich, aber gelgentlich doch angewandt wird die Zuhilfenahme eines
Volltextmanuskriptes:
- Wenn Sie DIN A 4- Seiten verwenden, brauchen Sie eine Auflagefläche, am besten ein Rednerpult. So große
Seiten bewegen sich mit jeder Geste und auch durch jeden Luftzug. Wenn Sie ein DINA 4-Blatt frei in der Hand halten,
wirkt es, als würden Sie zittern, und das sieht unsicher aus.
- Beschreiben Sie alle Blätter nur einseitig, auch wenn Sie viel Papier brauchen. Schreiben Sie die Seitenzahlen
groß auf jede Seite, immer in dieselbe Ecke.
- Verwenden Sie eine Schrift von mindestens 14 Punkt, und unterbrechen Sie Textblöcke in Abschnitte von max. 7 Zeilen.
- Heben Sie die wichtigsten Stichworte hervor, damit Sie sich wieder zurechtfinden, falls Sie durch eine Frage unterbrochen werden.
- Ergänzen Sie Hinweise, z. B. für Blickkontakt: "hinschauen!" oder "Pause".
- Proben Sie, wie lange Sie brauchen. Ein Volltextmanuskript braucht meistens länger, als man aufgrund des
Textumfangs meint. Als Faustregel: Eine 10-pt-groß beschriebene Seite braucht 10 bis 12 Minunten Vortragszeit.
- Integrieren Sie Ihre Dramaturgie ins Manuskript, z. B. "Hier Rückfragen?"
- Machen Sie immer noch eine Kopie Ihres Manuskriptes, und drücken Sie die jemandem in die Hand, der auch zur
Präsentation kommt. Schon oft sind Manuskripte in letzter Minute magisch verschwunden.
Ein Volltextmanuskript beschränkt Sie stark in der Dramaturgie. In einem längeren Text vor- und
zurückzuspringen, weil Ihre Teilnehmer/innen entsprechende Fragen stellen, zwingt Sie immer wieder dazu, zu blättern.
Gelegentliches Blättern stört Ihre Teilnehmer/innen sicher nicht; aber wenn Sie Ihr Manuskript letztlich zu einer
Sammlung von Textbausteinen verkommen lassen, die Sie beinahe willkürlich aufrufen, dann fragen sich Ihre Teilnehmer/innen,
warum Sie die Informationen nicht im Kopf haben, und der gesamte Spannungsbogen, den Sie sich vielleicht einmal vorgestellt
haben, geht verloren.
Sagen Sie Ihren Teilnehmer/innen deshalb, wann Sie Fragen vorgesehen haben. Was meistens gut funktioniert: "Bitte
stellen Sie Verständnisfragen jeweils gleich. Um vertiefende Fragen bitte ich Sie nach jedem Abschnitt, und für
die Diskussion ist nach meinem Vortrag noch eine halbe Stunde vorgesehen."
Beispiel:
Form: bei Volltext immer normales Druckseitenformat, z. B. DIN A 4
Inhalt:
Meine Damen und Herren,
in der folgenden Stunde möchte ich Ihnen ein Konzept vorstellen, mit dem Sie den Grad der Kundenorientierung in Ihrem
Unternehmen messen, beurteilen und gegebenenfalls auch korrigieren können.
alle einmal anschauen
Wörtlich: Wie Manuskript, aber natürlich betont, nicht vorgelesen. Kursives tun, nicht lesen. |
Bei allen Stichwortzetteln, Medien und Hilfen: Lassen Sie noch Raum für Zufälle und Leben.
5% Fehler machen menschlich!
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Vera Naumann Kommunikation & Organisation. Bitte geben Sie die Quelle an, wenn Sie die
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