Vera  Naumann
Fichtenstraße 18
72184 Rohrdorf
Tel.: (0 74 57) 69 77 00

info@vera-naumann.de

3.3. Medien sinnvoll nutzen

Dieses Kapitel hat folgende Abschnitte:

3.3.1. Gezielte Wirkung mit Medien
3.3.2. Praktische Tipps für die Auswahl und Verwendung von Medien
3.3.3. Verzierungen und Symbole
3.3.4. Moderationskarten richtig einsetzen
3.3.5. Brainstorming mit Mind Mapping
3.3.6. Brainstorming mit Moderationskarten
3.3.7. Abfragen mit Punkten


3.3.1. Gezielte Wirkung mit Medien

Medien sollen veranschaulichen, was Sie mitzuteilen haben. Anschaulich kommt von anschauen: Wohin schauen Ihre Zuhörer/innen, solange Sie reden? Wenn Sie sich "Kolleg/innen überzeugen von ..." als ein Ziel Ihrer Veranstaltung gesetzt haben, dann sollten Sie Ihren Teilnehmer/innen nicht viel Gelegenheit geben, in ihre Unterlagen oder Notizen zu schauen. Die Verbindlichkeit, die Sie zum Überzeugen brauchen, hängt mit der Wirkung Ihrer Person mehr zusammen als mit Ihren Medien.

Angenommen, die Teilnehmer/innen schauen auf die von Ihnen mitgebrachten Medien: Was tun sie dann genau, außer Ihnen zuzuhören?
Offensichtlich ist nur die erste Möglichkeit sinnvoll. Auch wenn es Ihnen zu einfach erscheinen mag: Lesen Sie das, was auf Ihren Medien steht, auch vor. Daß Sie selbst Ihre Unterlagen schon so gut kennen, daß Sie sie nicht nochmal lesen müssen, nützt den Teilnehmer/innen nichts, wenn diese mit ihrem Verständnis immer hinterher sind.

Grundsätzlich gibt es zu Hilfsmitteln wie Folien, Plakate, Pinnwände, Mappen, Katalogen oder Mustern und hand-outs folgendes zu beachten:
Medien unterstützen das Verständnis am besten, wenn das, was Sie sagen, und das, was geschrieben steht, dasselbe ist.

 

nach oben


Der Einsatz von Medien kann unterschiedlichen Zielen dienen: Für die Auswahl geeigneter Medien ist das Ziel der Veranstaltung oder Ihres Beitrags maßgeblich. Wenn Sie gezielt eine bestimmte Wirkung erzeugen möchten, seien Sie sich selbst gegenüber möglichst ehrlich: Wo geht es Ihnen darum, eine tolle Show abzuliefern, die vorwiegend Ihrem Image nützt, und wo liegt Ihnen tatsächlich das Verständnis der Teilnehmer/innen am Herzen? Wo beugen Sie sich den unausgesprochenen oder offen gestellten Erwartungen, und wo unterstützen Sie den gesamten Arbeitsprozeß zielgerichtet mit bestimmten Visualisierungshilfen?

Wohlgemerkt: Selbstverständlich spricht nichts dagegen, eine beeindruckende Show zu bieten. Die Ehrlichkeit gegenüber sich selbst hilft Ihnen jedoch dabei, nicht zu einseitig zu werden: Bei einer tollen Präsentation mit sehr guten Bildern kann die schöne Form nämlich den Inhalt verdrängen, und dann erinnert sich die Gruppe nicht daran, was Sie vorgestellt haben, sondern wie gut es ausgesehen hat. War das wirklich Ihr Ziel?

Umgekehrt nimmt Ihnen zuviel Sparsamkeit mit Medien viele Chancen, Verständnis und Kooperation bei Ihren Teilnehmer/innen zu erreichen. Vieles, was für Sie selbstverständlich erscheint, müssen sich Ihre Teilnehmer/innen erst wieder mühsam vor Augen führen. Dabei ist der gezielte Einsatz von Medien sehr hilfreich: Woran soll sich die Gruppe erinnern, was soll die Gruppe wahrnehmen, damit Ihre Argumentation schlüssig wird bzw. damit Ihre Moderationsfragen verstanden und beantwortet werden?

Der gezielte Einsatz von Medien enthält auch die Gefahr der Manipulation. Ihre Teilnehmer/innen fühlen sich manipuliert, wenn sie in oder nach einer Veranstaltung mit Ihnen das Gefühl haben, sie sind zu etwas verführt worden, was sie bei ruhigem Nachdenken nicht gesehen, gesagt, getan oder nicht gewollt hätten. Die besten Beispiele sind Statistiken wie Balken- oder Tortendiagramme, in denen Balken oder Sektoren in so auffälligen Farben gehalten sind, daß diese Bereiche gegenüber den anderen übertrieben hervorstechen und größer - und damit auch wichtiger - wirken, als sie aufgrund der Zahlen eigentlich sind.

Das Problem mit der Manipulation ist, daß sich manipulierte Menschen unfair behandelt fühlen, und das stört die Beziehungen gewaltig. Prüfen Sie also bei aller Deutlichkeit und Durchschlagkraft der Medien, die Sie wählen, immer wieder: Behandle ich meine Teilnehmer/innen fair? Unterdrücke ich unauffällig wichtige Bedürfnisse, oder spiele ich Interessen und Emotionen extra hoch?


Praxisbeispiele für den gezielten Einsatz von Farbe und Form

Erinnern Sie sich an die Diskussion um die Benetton-Werbung, die sehr provozierende Fotos benutzte, um den Slogan united colors of benetton zu illustrieren? Das Ziel, daß sich der Slogan und die Marke einprägen, wurde sicher erreicht - allerdings mit heftiger Manipulation, weil die Bilder große Emotionen in den Betrachter/innen ansprachen.

Das Corporate Design eines Unternehmens benutzt bestimmte, wiederkehrende Farben und Formen, um allen benutzten Visualisierungsmitteln einen Wiedererkennungswert zu geben, in Firmenschildern, Briefkopf, Produktbeschriftung. Die Schrift und die Farbe der Deutschen Telekom AG können so bereits erkannt werden, ohne daß aus dem Text hervorgeht, um welches Unternehmen es sich handelt. Besonders deutlich wurde dieser Effekt, als Mobilcom eine Anzeige schaltete, die durch ihre Gestaltung den Telekom-Angeboten offensichtlich ähnlich war. Eine Werbeschlacht entbrannte, in der der Schauspieler Wolfgang Krug schließlich in einer Fernsehwerbung über die "Mogelkom" sprach, die gar nicht wirklich die Telekom sei.

Welche Marke bei Milchprodukten verwendet königsblaue Verpackungen mit weißer Schrift? Milch, Sahne, Joghurt, Butter aus Weihenstephan stechen in jedem Kühlregal hervor, denn eine so dunkle Farbe war für Milchprodukte bisher nicht üblich. Alle anderen Verpackungen sind hell gehalten.

Wenn Sie von einem PKW nur den Umriß sehen, werden Sie in vielen Fällen noch nicht sofort das Fabrikat erkennen. Möglicherweise kommen Ihnen die steile Frontscheibe eines Saab, die emporlugenden Scheinwerfer einer "Ente" oder die knubbelige Form eines alten VW Käfer bekannt vor. Aber worin sind ein Audi A6, ein 5-er BMW, ein Opel Calibra oder ein Toyota Corolla zu unterscheiden? Es ist das "Gesicht" eines Autos, nämlich die Anordnung von Kühlergrill und Scheinwerfern, die den höchsten Wiedererkennungswert haben. Nicht einmal das Markenzeichen - der Mercedesstern oder die Audi-Ringe - müssen zu sehen sein. Einen BMW erkennen Sie immer an den beiden viereckigen "Vorderzähnen" in der Mitte des Kühlergrills, selbst bei einem BMW Z3 oder einem anderen Sportmodell, wo sie bereits sehr flach ausfallen. Allein die prägnante Form transportiert die Botschaft von schnellem, sportlichen Fahren.

 

nach oben


3.3.2. Praktische Tipps für die Auswahl und Verwendung von Medien

Beim gezielten Einsatz von Medien in Moderation und Präsentation beurteilen Sie zunächst: Wenn Sie diese Rahmenbedingungen geklärt haben, helfen Ihnen die nachfolgend aufgeführten Vor- und Nachteile bestimmter Medien bei der Entscheidung:

Medien Vorteile Nachteile
Handout, Buch, Kopie
  • 100% vorbereitet und fertig
  • Text ist wiederverwendbar
  • gut zu vervielfältigen
  • kein Blickkontakt zum Referenten
  • beim Nur-Lesen bleibt nicht viel hängen
Overheadprojektor
und Folien
  • 100% vorbereitet und fertig
  • bedruckbar
  • als Handout lieferbar
  • sehr gut wiederverwendbar
  • verschleißresistent
  • beliebiger Farbeinsatz möglich
  • geeignet für große Gruppen
  • wenig flexibel, weil fertig
  • Gefahr der zu kleinen Schrift
  • Helligkeit stört
  • oft schlechte Sicht auf Referenten
  • Gefahr der Übersättigung
  • technisches Versagen möglich
Laptop und Beamer
  • wie Folien, zusätzlich:
  • animierbar (bewegte Bilder)
  • Fotos und Videos möglich
  • Fernsteuerung einsetzbar
  • beeindruckt Teilnehmer/innen
  • geeignet für große Gruppen
  • wie Folien, zusätzlich:
  • extrem hoher Vorbereitungsaufwand
  • Gefahr der Automatisierung
  • technisch anspruchsvoll
  • Gefahr: tolle Show, wenig Inhalt
  • fördert Konsumhaltung
Video
  • 100% vorbereitet und fertig
  • professionell
  • geeignet für große Gruppen
  • wenig Kontakt zu den TN
  • fördert Konsumhaltung
  • schweres technisches Gerät
Whiteboard oder Tafel
  • fixer Platz im Raum spart Entscheidung
  • spontan einsetzbar
  • als Klebe-, Magnetfläche verwendbar
  • wird selten transportiert
  • kaum vorzubereiten
  • nicht wischfest
  • schwer sauber beschreibbar
Pinnwand
  • sukzessiver Aufbau von Info möglich
  • komplexe Zusammenhänge abbildbar
  • Elemente vorbereitet oder spontan
  • flexibel und erweiterbar
  • Gruppe kann Bild selbst erarbeiten
  • Transport von Pinnwänden
  • Verletzungsgefahr: scharfe Papierkanten
  • hoher Papierverbrauch
  • beschränkt wiederverwendbar
  • teuer zu protokollieren
Flipchart

... mein persönlicher Favorit:
Ich schreibe gern von Hand und zeichne gerne Cartoons!
  • sukzessiver Aufbau von Info möglich
  • Elemente vorbereitet oder spontan
  • flexibel und erweiterbar
  • Gruppe kann Bild selbst erarbeiten
  • wenig Vorbereitungsaufwand
  • immer noch in Mode
  • Platzbedarf beim Transport
  • beschränkt wiederverwendbar
  • meist aufwendig zu protokollieren

Sobald Sie sich für die Verwendung eines bestimmten Mediums entschieden haben, schätzen Sie den Vorbereitungsaufwand ab. Wesentlich ist bei der Gestaltung Ihrer Medien, daß die dargestellten Inhalte übersichtlich aufgebaut, in verständlichen Worten ausgedrückt und harmonisch angeordnet sind.

Die Übersichtlichkeit und damit auch der Nutzen beginnen bereits bei der Schrift:

Tipps, um schreiben zu üben:

Legen Sie die Hand auf beim Schreiben, auch wenn die Schreibfläche senkrecht ist. Ohne Auflegen können nur wenige Leute regelmäßige Buchstaben und Linien erzeugen.

Setzen Sie eine Reihe senkrechter Striche nebeneinander, und nützen Sie dabei die breiteste Stelle des Stiftes aus.

 

Alle Rechte für die Verwendung dieser Seminarunterlage liegen bei der Autorin, Vera Naumann Kommunikation & Organisation. Bitte geben Sie die Quelle an, wenn Sie die Unterlagen außerhalb des Seminarzwecks verwenden.

 

 

nach oben

 

zurück zur Auswahl